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Megatrend «Konvergierende Technologien» - Wie können mittelständische Technologieunternehmen darauf reagieren?



07-09-2010 - 20:07

Das Zeitalter der Miniaturisierung und der Nanotechnologie hat unlängst begonnen. Intelligente Informationssysteme wie Smartphones und Navigationsgeräte umgeben uns täglich. Biotechnologische Ansätze ermöglichen es, viele Wissensgebiete wie beispielsweise Informatik, Chemie und Biologie so zu vereinen, dass nie dagewesene Resultate in der Medizin erzielt werden können. Alle diese unterschiedlichen Technologien wachsen zunehmend zusammen. Doch wohin führt uns diese Entwicklung und wo liegen die Chancen und Risiken für mittelständische Unternehmen?

Die in den letzten 2 Jahrzehnten räumlich verdichteten Technologien sind die Nanotechnologie, die Informationstechnologie und die Biotechnologie. Räumliche Verdichtung insofern, dass chemische, biochemische und physikalische Prozesse auf kleinerem Raum (Miniaturisierung) ausgeführt werden können. Dies hat jeweils in der entsprechenden Disziplin zu neuen technologischen Fortschritten geführt:

  • Nanotechnologie: Erzeugung neuartiger Diagnostika und Therapeutika → Beispielsweise Kontrastmittel für die bildgebende Computertomographie.
  • Informationstechnologie: Erhöhte Bündelung von Informationen auf engem Raum → Transatlantisches Glasfaserkabel mit einem Datendurchsatz von 640 Gigabyte pro Sekunde; entspricht 1000 CD-ROMs pro Sekunde [1].
  • Biotechnologie: Herstellung von DNA-Chips mit Nutzung der Halbleitertechnologie → Einsatz bei systematischen Testverfahren in der Genetik zur Diagnose von Erbkrankheiten.

Die unterschiedlichen Technologien werden auch untereinander kombiniert, wie beispielsweise bei der Nanobiotechnologie. Die Kombination und die immer noch fortschreitende Miniaturisierung werden unter dem Begriff der „Kognitivtechnologie” zusammengefasst. Die Firma Z-Punkt [2] spricht hier von einer NBIC-Konvergenz (Nano Bio-Info-Cogno-Konvergenz), welche als eine neue „Superdisziplin” der Naturwissenschaften verstanden werden kann. In Wikipedia wird diese Superdisziplin als „Cognitive Science” bezeichnet.

Verschmelzung der Technologien

Abbildung: Verschmelzung der Technologien

Es ist zu erwarten, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre die NBIC-Konvergenz weiter voranschreitet und sich daraus neue Produkte und Services ableiten lassen. Dies hat für technologieausgerichtete Unternehmen den Anreiz, in die durch die NBIC-Konvergenz neu erzeugten Märkte einzutreten. Dabei kann NBIC durchaus als Basisinnovation verstanden werden, die erst noch anlaufen wird (6. Kondratieff) [3]. Bereits dieses Jahr werden in der USA nur im Bereich der Nanotechnologie mit einem Umsatz von 220 Milliarden USD gerechnet [4].

Für die grossen Technologieunternehmen ist es unabdingbar, sich an diesem eruptiven Markt zu beteiligen und entsprechende Gelder in die Forschung zu investieren. Diese müssen eine entsprechende Innovationsstrategie bereits entwickelt haben, damit entsprechende Patente frühzeitig angemeldet und Standards gesetzt werden können. So können die grossen Unternehmen eine technologische Führerschaft anstreben. Gegebenenfalls kann sogar nachhaltig eine Imitationsstrategie zum Erfolg führen [5].

Wie können sich aber mittelständische Unternehmen an diesen neuen NBIC-Märkten beteiligen? Gemäss Dr. Andreas Würgler [6] müssen diese Unternehmen die Auswirkungen der technologischen Konvergenz auf ihr bestehendes Produkte- und Dienstleistungsportfolio frühzeitig beurteilen. Ferner müssen aus der Konvergenz heraus an die neuen und naheliegenden Produktemärkte angeknüpft werden können. Dies unter Berücksichtigung möglicher strategischer Partnerschaften. Schlussendlich sollen die sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodelle bilanziert werden, damit eine Gesamtbeurteilung der sich bietenden Optionen abgegeben werden kann. Für diese Unternehmen gilt zudem, dass Sie künftig vermehrt an innovativen Netzwerken mitwirken und die Aufmerksamkeit auch auf Startup-Unternehmen lenken, welche das Produkte- und Dienstleistungsportfolio ergänzen könnten.

Die sich ausweitende technologische Konvergenz wird in den nächsten Jahrzehnten bedeutende Veränderungen in Bezug auf das Leben und die Umwelt mit sich bringen. Der Mensch im Zentrum dieses Wandels wird an neuen medizinischen Errungenschaften teilhaben können. Auch der Umgang mit Informationen wird sich wandeln: Die Verfügbarkeit und die Qualität von Informationen kann aufgrund der Miniaturisierung und Verdichtung zusätzlich erhöht werden und Informationen und Kommunikationsmittel werden uns jederzeit und überall zur Verfügung stehen. Für ein Technologieunternehmen stellt sich die Frage, ob es an diesem Wandel teilnehmen will und kann und wie es ihre Strategie künftig gestalten möchte. Möglicherweise ergeben sich hier neue Wertschöpfungsketten oder aber Unternehmensrisiken können frühzeitig erkannt werden: Beispielsweise könnten bestehende Produkte durch die neuen Technologien schnell verdrängt werden und müssen vom Markt genommen werden, falls eine kognitiv-technologische Erneuerung dieser Produkte nicht stattfinden kann. Entscheidend jedoch ist, dass die strategische Analyse und Entwicklung in naher Zukunft erfolgt.

 

Literatur

[1]
Ulrike Ostler (2006) : Ein halbes Jahrhundert sorgen Seekabel für Kommunikation, http://www.searchnetworking.de/themenbereiche/infrastruktur/verkabelung/articles/45204/
[2]
Klaus Burmeister (2009) : Zwischen globalen Megatrends und regionaler Verantwortung, Ehemals unter http://www.aachen.de/de/stadt_buerger/umwelt/luft-stadtklima-laerm/aachen2050/vortrag_klaus_burmeister.pdf
[3]
Leo A. Nefiodow (2001) : Der sechste Kondratieff, http://www.kondratieffzyklen.de/
[4]
Joachim H. Wendorff / Peter Stumpf, o.J. : Interdisziplinäre Ringvorlesung; Nanotechnologie - Aspekte und Perspektiven, Ehemals unter http://www.uni-marburg.de/fb05/iws/forschung/Nano/archiv/vortrag2
[5]
Lombriser / Abplanalp (2003) : Strategisches Management, Versus Verlag, Zürich 2005, S. 271 ff., ISBN: 978-3-03909-049-5
[6]
Dr. Andreas Würgler, o.J. : Konvergenz digitaler Technologien als Herausforderung bestehender Geschäftsmodelle, http://www.wdpmc.ch/docuUnternentw/KonvergenzGeschmod.pdf

Autor

Michael Gasche

Principal Consultant @ G·Stream


Michael Gasche ist Berater der G-Stream Technologies und widmet sich den Themen Produkt- und Projektmanagement, Key Account Management, Innovation und Busines Development sowie neuen Technologien.

Kontakt:

m.
t.
w. michaelgasche.com


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